1. Was ist eine Streitschlichtung?

An einer Schule kommt es täglich zu zahlreichen Konflikten, die nicht immer friedlich gelöst werden, sondern in verbalen und körperlichen Verletzungen enden können und Auslöser für weitere Konflikte sind. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen. Als Streitschlichter ausgebildete Mitschüler helfen den beiden Konfliktparteien, die Hintergründe zu durchleuchten, Bedürfnisse wahrzunehmen und verletzte Gefühle zu erspüren. Die Schlichtung sucht nicht einen Schuldigen, sondern strebt ein für beide Seiten vorteilhaftes Ergebnis an. Durch die Schlichtung können die Beteiligten ihr eigenes Verhalten besser verstehen und erkennen, was es beim Gegenüber bewirkt hat.

 

2. Ablauf einer Streitschlichtung

Eine Streitschlichtung ist klar strukturiert und verläuft nach festgelegten Regeln.

2.1. Begrüßung und Modalitäten

  • Gegenseitiges Vorstellen
  • Kooperative Atmosphäre schaffen
  • Freiwilligkeit und Bereitschaft zur Lösung abklären
  • Grundlagen und Ablauf der Schlichtung darlegen
  • Neutralität des Schlichters
  • Verschwiegenheit aller Beteiligten
  • Wichtige Regeln
  • ausreden lassen
  • keine Beleidigungen
  • keine Handgreiflichkeiten

2.2. Klärung des Problems

  • Konfliktpartei A berichtet aus ihrer Sichtweise vom Geschehen, von Gefühlen und Bedürfnissen
  • Zusammenfassung durch den Schlichter
  • ohne Wertung
  • Gefühle, Bedürfnisse und Erwartungen ansprechen
  • ebenso mit Konfliktpartei B
  • Die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien läuft solange über den Schlichter, bis
  • die Streitenden ruhig miteinander reden können.
  • Verständnis für den Konfliktpartner wecken

„Du hast gehört, was … gesagt hat
„Kannst du sehen, dass …es anders sieht?”
„Kannst du verstehen, dass …sich so fühlte?”

2.3. Lösung des Konflikts

  • Lösungen suchen, die für beide Seiten akzeptabel sind
  • Beide sollen etwas anbieten, aber auch etwas bekommen
  • Einigung auf gemeinsame Lösung
  • Fixierung der Lösung durch den Schlichter im Schlichtungsprotokoll
  • eventuelles Angebot eines weiteren Termins
  • Dank und Verabschiedung

 

3. Streitschlichter an der Mittelschule Trostberg

Im Schuljahr 2003/2004 startete das Projekt „Streitschlichtung an der Hauptschule Trostberg”.

Während eines mehrtägigen Lehrgangs wurden zunächst acht Lehrkräfte zu Mediatoren und im Anschluss daran 24 Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet.

Die Schlichtungen finden nach Anmeldung statt und werden in der Regel in der Pause in einem eigenen Streitschlichterzimmer durchgeführt. Eine Lehrkraft ist dabei nicht anwesend.

Die Streitschlichtergruppe trifft sich regelmäßig zu Reflexionsgesprächen und zur Weiterbildung. Dabei lernen die Schüler vor allem:

  • Konflikte erkennen und akzeptieren
  • Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle erkennen und mitteilen
  • Aktives Zuhören
  • Das Anderssein des anderen wahrnehmen und respektieren
  • Kritik anhören und zulassen

All dies erfolgt in Partner- und Gruppenübungen und in Rollenspielen.

Ein besonderes Highlight in diesem Schuljahr war ein zweitägiges Intensivseminar auf einer Selbstversorgerhütte in den österreichischen Bergen. Ein wichtiges Ziel, neben der Weiterbildung, bestand darin, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe zu stärken.

Am 05. Juli 2008 nahm eine kleine Gruppe von Streitschlichtern und Betreuern am 1. Aiblinger Streitschlichtertag teil und sammelte in Workshops weitere Erfahrungen.

 

4. Warum ist Streitschlichtung so wertvoll?

In der Ausbildung zum Streitschlichter beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen intensiv mit den Hintergründen von Konflikt, Auseinandersetzung und Streit. Dabei können sie ihre persönliche und soziale Kompetenz steigern. Dies kommt den Streitparteien bei der Schlichtung zugute und bewirkt langfristig eine Änderung im Konfliktverhalten, was sich letztlich positiv auf das Schulklima auswirkt.